„Bei Entscheidung ‚Pro Ferienhaus‘ hat Geld keine Rolle gespielt“

Im Interview mit FeWo-direkt rĂ€umt Ingo Fischer mit Vorurteilen auf – ĂŒber Ferienhausbesitzer, aber auch ĂŒber Oddachlose

Julie und Ingo Fischer mit ihren drei jĂŒngsten Kindern. Foto: Ferienhaus in Mainz/ FelĂ­a Fischer


Der grĂ¶ĂŸte deutsche Online-Vermittler von FerienhĂ€usern, FeWo-direkt, hat am 17. April einen Beitrag ĂŒber Julie und mich sowie unser Engagement fĂŒr obdachlose Menschen veröffentlicht. Im zuvor gefĂŒhrten Interview durfte ich mit Vorurteilen aufrĂ€umen – etwa ĂŒber unordentliche Obdachlose aber auch ĂŒber raffgierige Ferienhausbetreiber. Wer mich und meine Motive also besser kennenlernen will, hat jetzt die Gelegenheit dazu – viel Spaß!

FeWo-direkt: Herr Fischer, seit wann vermieten Sie auf FeWo-direkt?

Ingo Fischer: Meine Ehefrau Julie und ich haben auf unserer Hofreite in Mainz-Finthen zwei HĂ€user – das alte Bauernhaus und die ehemalige Scheune – mit vier Wohneinheiten, von der wir eine selbst bewohnen. Nachdem eine Mieterin vor etwa drei Jahren gekĂŒndigt hatte, haben wir uns dazu entschlossen, das von ihr bewohnte Haus – das wir spĂ€ter „Brunnenhaus“ getauft haben – von September 2017 an zunĂ€chst probeweise als Ferienhaus zu inserieren. Erst bei Airbnb, denn andere Anbieter kannten wir damals noch gar nicht, aber schon kurz danach auch bei FeWo-direkt. Bei FeWo-direkt sind wir – im Gegensatz zu Airbnb – bis heute geblieben. Im Verlauf des folgenden Jahres haben wir auch das „Hofhaus“ und das „Gartenhaus“ in FerienhĂ€user umgewandelt – und dies von Beginn an mit FeWo-direkt.

FeWo-direkt: Warum haben Sie sich dazu entschlossen, Ihre Objekte als FerienhÀuser zu vermieten?

Ingo Fischer: ZunĂ€chst möchte ich einem pauschalen Vorwurf entgegentreten, der Ferienhausbetreibern immer wieder gemacht wird und der seit einigen Jahren die öffentliche Debatte prĂ€gt: Es war definitiv nicht, um mehr Geld zu verdienen! TatsĂ€chlich hat der finanzielle Aspekt bei unserer Entscheidung „Pro Ferienhaus“ kaum eine Rolle gespielt. Eine kleine EinschrĂ€nkung: Wir haben die Hofreite nach dem Kauf im Jahr 2009 zwei Jahre lang nach ökologischen und gestalterischen Gesichtspunkten komplett und sehr aufwĂ€ndig kernsaniert: Das um das Jahr 1890 erbaute Bauerhaus und die Scheune haben wir dabei in zwei moderne NiedrigenergiehĂ€user verwandelt, wobei wir den Charme der beiden historischen Bauwerke erhalten haben. DafĂŒr mussten wir hohe Darlehen aufnehmen. Wichtig in finanzieller Hinsicht war fĂŒr uns daher, dass wir kĂŒnftig den Teil der Darlehensraten, fĂŒr den wir zuvor die Mieteinnahmen aufgewendet haben, kĂŒnftig mit Ferienhaus-Einnahmen stemmen können.

FeWo-direkt: Wenn nicht das Geld – was war dann der Grund?

Ingo Fischer: In der Rolle des „klassischen“ Vermieters hatten Julie und ich uns noch nie so richtig wohlgefĂŒhlt, und dieses Unwohlsein ist mit einigen – nicht allen – problematisch verlaufenen MietverhĂ€ltnissen stetig gewachsen. Da ich mich eigentlich fĂŒr einen sehr umgĂ€nglichen Menschen halte, denke ich, dass hauptsĂ€chlich das gesellschaftliche Klima zwischen Mietern und Vermietern dafĂŒr verantwortlich ist, das auch aufgrund einer oft undifferenzierten Berichterstattung in vielen Medien leider immer vergifteter geworden ist: In der öffentlichen Wahrnehmung gelten Vermieter pauschal als geldgierige „Wucherer“, „Haie“ oder „Luxussanierer“, gegen die sich Mieter in einem Akt der Notwehr unbedingt mit allen Mitteln zur Wehr setzen sollten. Diese schlechte Großwetterlage hat zunehmend auf unsere MietverhĂ€ltnisse abgefĂ€rbt, bis meine Frau und ich es nicht mehr ausgehalten haben.

FeWo-direkt: Inwiefern hat „die Großwetterlage abgefĂ€rbt“?

Ingo Fischer: Ganz konkret durch die Einstellung einiger Mieter: „Ich zahle Miete, also lasst mich mit dem Rest in Ruhe!“ Das ist sehr schwierig auf einer Hofreite, in der man TĂŒr an TĂŒr als Nachbarn zusammenlebt und in der auch Gemeinschaftsarbeiten wie etwa Rasen mĂ€hen, Unkraut jĂ€ten oder Hof fegen erledigt werden mĂŒssen. Was aber tun, wenn sich kaum jemand an den Dienstplan hĂ€lt? Dann bin letztendlich immer ich als Vermieter dran, indem ich diese und viele weiteren vermeintlichen „Gemeinschaftsarbeiten“ notgedrungen fĂŒr diverse Mietparteien miterledigen musste, damit das Anwesen nicht verwahrlost – selbstverstĂ€ndlich ohne einen Dank dafĂŒr zu bekommen.

FeWo-direkt: Und das hat sich nun als Ferienhausbetreiber geÀndert?

Ingo Fischer: Als Ferienhausbetreiber mĂ€he ich natĂŒrlich immer noch exklusiv den Rasen, fege den Hof und mache darĂŒber hinaus noch viel, viel mehr in den HĂ€usern als zuvor als Vermieter, nĂ€mlich etwa auch Staubsaugen, Betten beziehen und BĂ€der putzen. Aber ich mache es jetzt gerne. Denn ich fĂŒhre diese Aufgaben nun freiwillig aus, weil ich mir diese Rolle selbst ausgesucht habe und mir diese Arbeiten niemand durch eigenes Unterlassen aufgezwungen hat, der sie eigentlich hĂ€tte ausĂŒben mĂŒssen. Das ist ein grundlegender Unterschied. Die GĂ€ste danken es mir ganz konkret – nicht nur in den Bewertungen. Sondern ich empfinde jede Buchung als WertschĂ€tzung von Julies und meiner Arbeit.

FeWo-direkt: Warum haben Sie sich fĂŒr eine Partnerschaft mit FeWo-direkt entschieden?

Ingo Fischer: Zu Beginn war der Hauptgrund ganz einfach, dass FeWo-direkt ein Big Player unter den Ferienhausvermittlern ist und Urlauber oder GeschĂ€ftsreisende auf seinem Webangebot meine drei FerienhĂ€user leicht finden und buchen können. Das Webangebot ist intuitiv und die Suche funktioniert hervorragend: Wenn ich nach Region „Mainz“ und z.B. „10 Personen“ suche, dann erscheinen meine Angebote „Gartenhaus“ und „Brunnenhaus“ sehr weit oben in der Suchergebnisliste. Zudem weiß bei FeWo-direkt jeder Urlauber, was er fĂŒr sein Geld bekommt, da alle drei FerienhĂ€user einzeln gelistet sind. Bei einem anderen Anbieter etwa mĂŒssen meine HĂ€user wegen der identischen Adresse in einem gemeinsamen Inserat dargestellt werden, obwohl jedes einen eigenen Charakter, eine eigene Erschließung und auch eine eigene GrĂ¶ĂŸe hat. Dies fĂŒhrte mehrfach dazu, dass GĂ€ste, die das kleinere „Hofhaus“ gebucht hatten – ein wunderschönes Haus –, bei ihrer Ankunft verwundert oder gar enttĂ€uscht waren, weil sie dachten, nun das „Gartenhaus“ beziehen zu können. Solche MissverstĂ€ndnisse sind bei FeWo ausgeschlossen.

FeWo-direkt: Und sind die gute Webdarstellung und Reichweite immer noch der Hauptgrund?

Ingo Fischer: Das sind natĂŒrlich immer noch ganz wichtige Pluspunkte. Es ist aber in den vergangenen knapp drei Jahren ein weiterer zentraler Punkt hinzugekommen, der FeWo-direkt von seinen Mitbewerbern abhebt: die gute Betreuung der Gastgeber und die sehr gute Zusammenarbeit. Auf anderen Plattformen – Stichwort „Superhost“ – werden Gastgeber nur scheinbar wertgeschĂ€tzt, aber sobald es ein Problem gibt, sofort an den Rand gedrĂ€ngt und gnadenlos abserviert. Das ist mir bei einem großen Vermittler passiert, der sich selbst immer den Anschein einer „großartigen“ Community gibt. Bei FeWo-direkt kann ich mir so etwas beim besten Willen nicht vorstellen.

FeWo-direkt: Wie sind Ihre Erfahrungen mit FeWo-direkt-Urlaubern?

Ingo Fischer: Das hört sich jetzt vielleicht nach PR an, aber ich muss wirklich sagen, dass ich insbesondere mit FeWo-direkt-Urlaubern bislang ausnahmslos sehr positive Erfahrungen gemacht habe. Die ankommenden GĂ€ste sind meist geradezu „geflashed“, dass es hier wirklich so aussieht wie auf den wunderschönen Inserats-Fotos. Sie genießen ihre Aufenthalte. Dass die Zuneigung auf Gegenseitigkeit beruht, lĂ€sst sich in den Bewertungen gut nachvollziehen.

FeWo-direkt: Gibt es vielleicht eine besonders schöne Anekdote?

Ingo Fischer: Wir hatten viele schöne Erlebnisse mit FeriengĂ€sten, einige sind uns in besonderer Erinnerung geblieben: Im Januar vor einem Jahr hatten wir eine 14-köpfige positiv verrĂŒckte Ex-Kommilitonen-Gruppe aus ganz Deutschland zu Gast, die sich hier zum Wiedersehen getroffen haben, da Mainz etwa in der Mitte aus allen Richtungen liegt. Von ihnen haben wir gelernt, dass man auch bei starkem Schneefall und knackigen Minus-Temperaturen viel Spaß beim Grillen in unserem Garten haben kann. Im Sommer hat eine super nette JGA-Gruppe zwei Planschbecken und eine Wasserrutsche mitgebracht, mit der man mit hoher Geschwindigkeit ĂŒber den Rasen schlittern kann – unsere jĂŒngeren Kinder waren sehr neugierig und wurden super integriert. Und am Ende haben die Jungs unseren Kindern die Planschbecken geschenkt, sodass sie noch den ganzen Rest-Sommer viel Spaß damit hatten.

FeWo-direkt: Wie schön! Gibt es weitere besondere Ereignisse mit FeriengÀsten?

Ingo Fischer: Bei anderen GĂ€sten aus der Schweiz hat sich die fĂŒnfjĂ€hrige Tochter sofort mit unserer gleichaltrigen Tochter Liv angefreundet. Ella stand zwei Wochen lang jeden Morgen vor der TĂŒre und hat Liv abgeholt, um stundenlang gemeinsam auf dem großen Trampolin im Garten zu springen. Gut erinnern können wir uns auch noch an eine bekannte weibliche A-Cappella-Formation aus Hessen, AllegrĂ­a, die sich hier ein paar Tage getroffen hat, um ein neues Lied einzustudieren. Und ein echtes Highlight war die armenische Braut samt Familie, die sich hier einquartiert hatten.

FeWo-direkt: Das hört sich spannend an – wie lĂ€uft eine armenische Hochzeit ab?

Ingo Fischer: Laut armenischer Tradition wird die Braut von der Familie des BrĂ€utigams zu Hause – in diesem Fall ausnahmsweise auf unserer Hofreite – abgeholt. DafĂŒr wurde nicht nur der sprichwörtliche rote Teppich tatsĂ€chlich im Hof verlegt, sondern es fuhren plötzlich auch die unglaublichsten Luxus-Sportwagen – Ferrari, Lamborghini, Bugatti und wie sie alle heißen – vor. AngefĂŒhrt von einem Musikanten hat die etwa 50-köpfige Hochzeitsgesellschaft die festlich gekleidete Braut dann tanzend aus dem „Brunnenhaus“ ins Auto geleitet, um anschließend zusammen zur Trauung zu fahren. Das war ein wundervolles Ereignis fĂŒr die gesamte Prunkgasse.

FeWo-direkt: Vermieten Sie hauptberuflich oder gehen Sie noch einer anderen Arbeit nach?

Ingo Fischer: Die FerienhĂ€user sind mein Nebenerwerb, dem ich nach Feierabend und an den Wochenenden ausĂŒbe, zudem unterstĂŒtzt mich Julie ganz entscheidend, ohne sie wĂ€re das alles nicht möglich. Hauptberuflich bin ich gelernter Journalist und arbeite in der Distribution der ARD Mediathek.

FeWo-direkt: Was ist das Besondere an Ihren FerienhĂ€usern – warum sollte man bei Ihnen Urlaub machen?

Ingo Fischer: Vielen Dank fĂŒr diese Steilvorlage, denn meine FerienhĂ€user sind wirklich etwas ganz Besonderes! Sie stehen auf einer wunderschönen Hofreite mit einem mediterranen Innenhof und einem idyllischem Riesengarten. Man fĂŒhlt sich dort wie mitten in der Natur, auf dem Land, jedoch befindet man sich tatsĂ€chlich sehr zentral im Ortskern des attraktiven Mainzer Stadtteils Finthen und dem Rhein-Main-Gebiet: In fĂŒnf Gehminuten erreicht man SupermĂ€rkte, Restaurants und alle GeschĂ€fte des tĂ€glichen Bedarfs, in elf Busminuten ist man am Mainzer Hauptbahnhof bzw. in der Mainzer Innenstadt und in weniger als 25 Autominuten am Frankfurter Flughafen. Diese Kombination aus Landleben und stĂ€dtischer Infrastruktur ist das Alleinstellungsmerkmal meiner Hofreite.

FeWo-direkt: Und an wen richtet sich Ihr Ferienhaus-Angebot?

Ingo Fischer: Die verschiedenen HĂ€usergrĂ¶ĂŸen sprechen viele verschieden „Reisetypen“ an und erfĂŒllen viele BedĂŒrfnisse: Von Alleinreisenden und Paaren ĂŒber Familien, GeschĂ€ftsreisende bis hin zu kleinen und auch großen Freundesgruppen bis zu 28 Personen. Was hatten wir hier schon fĂŒr fantastische Junggesellenabschiede, die ĂŒbrigens immer viel, viel gesitteter ablaufen, als man das denken wĂŒrde! Nun könnte ich auch noch detailliert ĂŒber die edle, helle Inneneinrichtung, die Holzdielenböden, die historischen BruchsteinwĂ€nde aus Muschelkalk und die uns sehr wichtigen ökologischen Aspekte berichten – aber das wĂŒrde etwas den Rahmen sprengen.

FeWo-direkt: Ihre Stornobedingungen sind sehr kulant. Warum haben Sie sich dazu entschieden, Urlaubern in diesen Zeiten entgegenzukommen?

Ingo Fischer: FeWo-direkt bietet als moderateteste Stornierungsregelung ein kostenloses Storno bis 14 Tage vor der geplanten Anreise an. Einerseits verstĂ€ndlich, denn ein Storno nach dieser Frist bedeutet fĂŒr den Ferienhausanbieter, dass eine Neuvermietung dann nahezu ausgeschlossen ist. In der derzeitigen besonderen Lage halte ich die 14-Tage-Regelung jedoch fĂŒr nicht ausreichend. Wir gehen zwar davon aus, dass sich die Lage spĂ€testens ab Ende April/ Anfang Mai wieder insofern entspannen wird, als dass etwa Reise- und Urlaubsverbote aufgehoben werden. Die Verunsicherung wird dennoch erst einmal bleiben: Was ist, wenn ich oder ein anderes Mitglied meiner Reisegruppe erst kurz vor dem geplanten Reiseantritt mit Covid-19 in Kontakt kommen? Sind die Reisekosten dann futsch? In dieser Situation haben wir uns dazu entschieden, unseren GĂ€sten bis zum Vortag der geplanten Anreise ohne Wenn und Aber eine kostenlose Stornierung zu garantieren. Und wenn Gruppen nur unvollstĂ€ndig anreisen können, dann zahlen auch nur diejenigen, die tatsĂ€chlich dabei sind, selbst wenn zuvor fĂŒr eine grĂ¶ĂŸere Personenanzahl gebucht wurde.

FeWo-direkt: Was versprechen Sie sich davon?

Ingo Fischer: Ich hoffe, dass es meinen potenziellen GĂ€sten dadurch leichter fĂ€llt, bereits jetzt an die Zeit nach der akuten Corona-Krise zu denken und mit dieser finanziellen Sicherheit im RĂŒcken den Aufenthalt zu buchen. Denn nicht nur ansonsten reiselustige Menschen, die nun zu Hause sitzen mĂŒssen, brauchen eine Hoffnung, dass sich die Lage bald wieder bessert, sondern auch ich als Ferienhausbetreiber.

FeWo-direkt: Machen Sie selbst mit Ihrer Familie gerne Urlaub im Ferienhaus?

Ingo Fischer: Ja, definitiv! Wir fĂŒhlen uns tatsĂ€chlich auf unserer eigenen Hofreite oftmals wie im Urlaub und in unserem selbst bewohnten Haus wie in einem Ferienhaus. Auch wenn wir tatsĂ€chlich verreisen, wĂ€hlen meine Frau und ich seit einigen Jahren immer FerienhĂ€user. Dazu muss man wissen, dass wie eine sehr große Familie mit sechs Kindern zwischen drei und 15 Jahren sind. Da ist an einen Aufenthalt im Hotel schon aus logistischen und auch finanziellen GrĂŒnden nicht zu denken – und wir sind keine Campingplatztypen.

FeWo-direkt: WĂŒrden Sie auch anderen Ferienhausbesitzern raten, ihre Objekte jetzt anderweitig zur VerfĂŒgung zu stellen?

Ingo Fischer: Klares ja! In einer Situation, in der möblierte HĂ€user dringend benötigt werden, aber niemand verreisen will und darf, ist Leerstand die schlechteste Option. Wir haben unsere HĂ€user daher besonders gefĂ€hrdeten Obdachlosen zur VerfĂŒgung gestellt, die auf der Straße schutzlos dem Coronavirus ausgeliefert wĂ€ren und die aufgrund ihrer Vorerkrankungen eine Ansteckung womöglich nicht ĂŒberleben wĂŒrden. Und Obdachlose sind sicherlich nicht die Einzigen, die derzeit temporĂ€r ein sicheres Heim benötigen, hier muss man einfach mal die Augen offenhalten. So schlecht es mir und anderen Ferienhausbesitzern in der aktuellen Situation aufgrund der fehlenden Einnahmen bei gleichzeitig unverĂ€ndert hohen Fixkosten auch geht: Vielen Menschen in unserer Gesellschaft geht es noch schlechter. Wir können nun zeigen, dass das stĂ€ndig unreflektiert verbreitete Bild vom bösen Ferienhausbesitzer, der aus reiner Profitgier den Wohnraum verknappt, falsch oder zumindest undifferenziert ist. In dieser Krise mĂŒssen wir als Gesellschaft zum einen solidarisch sein. Und zum anderen können wir lernen, unsere vorgefertigten Weltbilder und Vorurteile auf den PrĂŒfstand zu stellen und mit der RealitĂ€t abzugleichen.

FeWo-direkt: Welche Voraussetzungen mĂŒssten die FerienhĂ€user besitzen?

Ingo Fischer: FerienhĂ€user besitzen ja bereits alle Voraussetzungen fĂŒr ein „normales“ Wohnen. Die Frage ist daher eher, welche Voraussetzungen die Bewohner erfĂŒllen sollten, wenn ich ihnen als Ferienhausbesitzer unentgeltlich meine Immobilen ĂŒberlasse. Uns war und ist es zum Beispiel sehr wichtig, dass sich die Bewohner an klar definierte Regeln halten: keine Alkoholexzesse etwa, keine Hunde oder andere Haustiere und Einhaltung hygienischer Standards. Es gilt ansonsten dasselbe, was wir auch von den zahlenden FeriengĂ€sten erwarten: Dass sie im Gegenzug dafĂŒr, dass wir sie mit Respekt behandeln und ihnen unsere HĂ€user zur VerfĂŒgung stellen, auch uns, unsere Nachbarschaft und unsere Einrichtung respektieren.

Wir Menschen sind alle verschieden, das gilt auch fĂŒr Obdachlose. So gibt es sicherlich viele, die gar nicht in der Lage sind, unsere Vorgaben einzuhalten. Doch auch diese Menschen benötigen SchutzrĂ€ume: GĂ€rten etwa, in denen sie ihr Zelt aufstellen können. Entsprechend vielfĂ€ltig sind die Möglichkeiten zu helfen – nicht nur fĂŒr Grundbesitzer, sondern fĂŒr jeden!

FeWo-direkt: Gibt es bereits PlĂ€ne, auch die anderen beiden FerienhĂ€user, das „Gartenhaus“ und das „Brunnenhaus“ Menschen in Not zur VerfĂŒgung zu stellen?

Ingo Fischer: Hintergrund dafĂŒr, dass derzeit „nur“ das Hofhaus von wohnsitzlosen Menschen bewohnt wird, ist, dass meine Freundin Caroline Elfers auf Facebook einen Hilferuf fĂŒr eine Gruppe schwer kranker Obdachloser gestartet hat. Sie hatten sich ein gemeinsames Winterquartier geteilt, das – trotz Corona-Pandemie – unmittelbar vor der Schließung stand. Julie und ich haben daher spontan unsere Hilfe angeboten und unser voll eingerichtetes Hofhaus zur VerfĂŒgung gestellt, da dies fĂŒr die konkrete Gruppe genau die richtige GrĂ¶ĂŸe hat. Die beiden anderen FerienhĂ€user „Gartenhaus“ und „Brunnenhaus“ haben wir Anfang April der EU-Kommission sowie der Landesregierung angeboten, damit sie dieses fĂŒr unbegleitete Kinder nutzen können, die derzeit unter katastrophalen hygienischen VerhĂ€ltnissen in griechischen FlĂŒchtlingslagern leben mĂŒssen. Es stehen insgesamt SchlafplĂ€tze fĂŒr bis zu 24 Kinder und Betreuer zu VerfĂŒgung, zudem gibt es einen großen, baulich geschĂŒtzten Hof und einen riesigen Garten, der ideal zum Toben ist. Noch haben wir leider keine RĂŒckmeldung auf unser Angebot erhalten.

FeWo-direkt: Wie lange können Frank und Kåroly im Ferienhaus bleiben?

Ingo Fischer: ZunĂ€chst einmal bis mindestens Mitte Mai. Danach hoffen wir zusammen mit dem Verein Wohnsitzlos in Mainz e.V., dass beide einen eigenen, festen Wohnsitz bekommen können. Ideal wĂ€re, wenn sie die Zeit jetzt nutzten, um ihr Leben so zu sortieren, damit dies möglich wird. Diese Zeit hatten sie bislang nicht, denn wenn du auf der Straße lebst, musst du deine gesamte Energie in den tĂ€glichen Überlebenskampf stecken – da bleibt keine Zeit mehr, Behörden abzuklappern, sich AntrĂ€ge und die fĂŒr die AntrĂ€ge benötigten Dokumente zu besorgen und die Formulare dann auszufĂŒllen.

FeWo-direkt: Wer kĂŒmmert sich um die beiden – wer reinigt etwa die Wohnungen?

Ingo Fischer: Die Hausarbeiten erledigen Frank und KĂĄroly selbst, und zwar freiwillig und sehr grĂŒndlich, weil sie sehr ordentliche Menschen sind. Überhaupt können sie große Teile ihres Alltags ohne Hilfe meistern. FĂŒr den kleinen Rest kommt unsere Freundin Caroline Elfers tĂ€glich vorbei und hilft unseren beiden GĂ€sten als direkte Ansprechpartnerin und Vertrauensperson, sich mit der neuen Situation zurechtzufinden: Wie funktioniert die MĂŒlltrennung, wie der super moderne Herd und wie das WLAN-betriebene SmartTV-GerĂ€t? Welche Lebensmittel brauchen sie – bei der Beschaffung hilft Foodsharing – und welche Hygieneartikel? Und, ganz wichtig: Caroline berĂ€t Frank und KĂĄroly in der Frage, was sie nun tun mĂŒssen, damit sie auch nach ihrer Zeit im Hofhaus dauerhaft ein Dach ĂŒber dem Kopf haben.

In den kommenden Wochen dient das Urlaubsparadies im Finther Ortskern, in dem sonst Freunde und Familien Urlaube oder auch Junggesellenabschiede genießen, Obdachlosen als Schutzraum vor der Ansteckung mit dem Corona-Virus.




„Neue Dimension der SolidaritĂ€t mit den HilfsbedĂŒrftigsten“

Mainzer stellt Obdachlosen wĂ€hrend der Covid-19-Krise seine FerienhĂ€user zur VerfĂŒgung / Pressemitteilung des Vereins „Wohnsitzlos in Mainz e.V“ vom 23. MĂ€rz 2020

Nathalie Böhm (r.) „schiebt“ Frank und KĂĄroly mitten hinein ins GlĂŒck. Links freut sich Ferienhausbesitzer Ingo Fischer. Foto: Wohnsitzlos in Mainz e.V. / Julie Fischer


„Bleibt zu Hause!“ lautet das Gebot der Stunde wĂ€hrend der grassierenden Corona-Pandemie. Was aber, wenn man gar kein Zuhause hat? Obdachlose Menschen machen gerade eine extrem schwierige Zeit durch, zumal viele von ihnen eine stark angeschlagene Gesundheit haben und dadurch im Falle einer Ansteckung mit dem Covid-19-Virus in akute Lebensgefahr gerieten. Hinzu kommt, dass immer mehr Hilfsangebote und NotunterkĂŒnfte schließen mĂŒssen, die es Obdachlosen bislang ermöglicht haben, sich gerade so ĂŒber Wasser zu halten. In dieser Situation hat nun ein Ferienhausbesitzer in Mainz-Finthen besonders hilfsbedĂŒrftigen Menschen ohne festen Wohnsitz fĂŒr mindestens einen Monat sein außergewöhnlich schönes und komplett eingerichtetes Ferienhaus in der Prunkgasse ĂŒberlassen, in dem normalerweise Freundesgruppen oder Familien einige schöne Tage oder Wochen miteinander verbringen. „Das ist ein großartiges Beispiel fĂŒr Hilfsbereitschaft und gelebte SolidaritĂ€t mit den schwĂ€chsten Mitgliedern unserer Gesellschaft, die ich in dieser Form noch nie erlebt habe“, sagt die erste Vorsitzende des Vereins „Wohnsitzlos in Mainz e.V.“, Nathalie Böhm. Sie hofft, dass dieses Beispiel nun Schule macht.

Vor gut zehn Jahren haben sich Julie und Ingo Fischer als junge Familie mit kleinen Kindern einen Lebenstraum im alten Ortskern des Mainzer Stadtteils Finthen erfĂŒllt: Sie kaufen eine um das Jahr 1900 erbaute Hofreite samt Scheune und riesigem Garten in der Prunkgasse. Knapp anderthalb Jahre lang dauerten die sehr aufwĂ€ndigen Sanierungsarbeiten nach gestalterischen und ökologischen Gesichtspunkten, seitdem erstrahlen das Bauernhaus sowie die nunmehr zum Wohnhaus ausgebaute Scheune im neuen Glanz. Da sie mehr Wohnraum geschaffen hat als sie selbst benötigt, hat Familie Fischer im Jahr 2017 damit begonnen, drei nicht selbstbewohnte HĂ€user auf der Hofreite an FeriengĂ€ste zu vermieten – bis vor vier Wochen mit großem Erfolg. Doch dann hat die Corona-Pandemie das Ferienhausgewerbe praktisch von einem Tag auf den anderen von 100 auf null gefahren.

„Unsere finanzielle Lage ist angesichts hoher Fixkosten und fehlender Einnahmen zwar ernst, aber sie ist nicht lebensbedrohlich“, sagt Ingo Fischer. Damit gehe es seiner Familie deutlich besser als dem schwĂ€chsten Teil unserer Gesellschaft, nĂ€mlich obdachlosen Menschen. Und genau ihnen kann und will Familie Fischer nun helfen.

„Wir helfen gerne!“

In einem Facebook-Post hat Fischers Bekannte Caroline Elfers am vorvergangenen Mittwoch auf die dramatische Situation der SchwĂ€chsten unserer Gesellschaft aufmerksam gemacht: „Ihr Lieben, die Corona-Krise trifft uns alle. Am meisten trifft es aber die, die sowieso schon nichts haben: UnterkĂŒnfte werden geschlossen und Lebensmittelverteilungen werden eingeschrĂ€nkt oder unterbunden. Ich suche fĂŒr ein paar sehr zuverlĂ€ssige, ordentliche Obdachlose, die in ein paar Tagen ihre Unterkunft verlassen mĂŒssen, einen Garten, am besten mit einer HĂŒtte, in der NĂ€he der Mainzer Innenstadt. (
) Bitte denkt noch einmal nach, vielleicht kennt Ihr ja auch jemanden, der ein GrundstĂŒck besitzt, in dem sie Schutz finden könnten.“

FĂŒr Julie und Ingo Fischer war sofort klar, dass sie eine Lösung anbieten können – und zwar nicht „nur“ mit einem Zeltplatz im Garten, denn „es hĂ€tte sich nicht richtig angefĂŒhlt, hilfsbedĂŒrftige Menschen auf unserer Hofreite ohne Bett und vor allem ohne sanitĂ€re Anlagen campen zu lassen, wenn bei uns gleichzeitig FerienhĂ€user leer stehen“. Also antworteten sie auf Facebook: „Caroline, wir helfen gerne. Wie viele Personen sind es? Unser ‚Ferienhaus in Mainz‘ steht die nĂ€chsten Wochen leer, ebenfalls wegen Corona, weil derzeit niemand reisen will oder darf. Da nutzen Julie und ich gerne die Chance, etwas Gutes tun zu dĂŒrfen.“

Helfen – aber wie?

Der Verein „Wohnsitzlos in Mainz“ freut sich ĂŒber jede noch so kleine Geldspende, um die Grundversorgung der Obdachlosen aufrechterhalten zu können. IBAN: DE78 5085 2553 0016 1159 82 (Sparkasse Groß-Gerau).

Ingo Fischer freut sich ĂŒber Buchungen seiner drei wunderschönen FerienhĂ€user (bis 14 GĂ€ste im „Gartenhaus„, bis 10 GĂ€ste im „Brunnenhaus“ und bis zu 6 GĂ€ste im „Hofhaus„) fĂŒr die Zeit nach der Corona-Krise. Stornierungen sind bis zum Vortag der geplanten Anreise kostenlos möglich.

Kontakt Wohnsitzlos in Mainz: wohnsitzlosmainz@gmail.com
Kontakt Ingo Fischer: https://ferienhausmainz.com, Tel.: 0179 – 1012060

Gemeinsam Leben retten

Danach ging alles ganz schnell: Caroline Elfers informierte die Vorsitzende der Vereins „Wohnsitzlos in Mainz“, Nathalie Böhm, und schon am nĂ€chsten Tag kam es zum ersten Treffen in der Finther Prunkgasse mit zweien der kĂŒnftigen Bewohner: KĂĄroly (Name geĂ€ndert) hat eine Herzkrankheit und ist dadurch akut gefĂ€hrdet, sollte er sich mit dem Corona-Virus anstecken. Als nicht-deutscher EU-BĂŒrger bekommt er keinerlei staatliche BezĂŒge, und in seinem ursprĂŒnglichen Herkunftsland hat er keine Familie, die ihm hilft. „Damit ist er sehr stark angewiesen auf ehrenamtliche UnterstĂŒtzung, die nun heruntergefahren wird“, so Nathalie Böhm. Der zweite Bewohner, Frank (Name geĂ€ndert), ist sehr kontaktscheu und nimmt Hilfe nur von vertrauten Personen an. Als Deutscher hat er zwar Anrecht auf BezĂŒge, doch die HĂŒrde, die entsprechenden Behörden aufzusuchen und die AntrĂ€ge zu stellen, war fĂŒr ihn bisher viel zu hoch. So lebt er seit Jahren ohne festen Wohnsitz von Ersparnissen, die langsam zur Neige gehen. Auch er gehört zur Covid-19-Risikogruppe.

Am Samstag-Nachmittag haben Frank und KĂĄroly ihr neues Heim bezogen, in dem sie sich nun wĂ€hrend der Corona-Krise einigeln und dadurch so weit wie möglich schĂŒtzen können – die Freude darĂŒber sprang den beiden förmlich aus dem Gesicht. „Eine Hilfe in dieser Dimension habe ich bisher noch nicht erlebt“, so Nathalie Böhm, die nun hofft, dass das Beispiel Schule machen wird: Vielleicht gelinge es nun, mehr Menschen, die auf der Straße großen Gefahren ausgesetzt sind, und solchen, die ihre UnterkĂŒnfte wie Ferienwohnungen, WohnwagenstellplĂ€tze oder GrundstĂŒcke  – fĂŒr Wohnsitzlose mit Hunden – derzeit nicht vermieten können, zusammen zu bringen.

So unfassbar schwierig es klingen mag, so einfach und unkompliziert sei es doch in Wirklichkeit, wie das Beispiel von Frank und KĂĄroly, Ingo und Julie zeige. „Wir rufen alle Besitzer mit Leerstand in Mainz und Umgebung auf, sich bei uns zu melden und gemeinsam eine Lösung zu finden. Wir suchen vor allem GrundstĂŒcke, auf denen sich die Wohnsitzlosen fĂŒr die Zeit der Krise niederlassen dĂŒrfen und zu Atem kommen können“, so Böhm abschließend: „Mit KurzzeitunterkĂŒnften fĂŒr Wohnsitzlose in der Corona-Krise können wir auch ohne medizinische Ausbildung Leben retten!“

In den kommenden Wochen dient das Urlaubsparadies im Finther Ortskern, in dem sonst Freunde und Familien Urlaube oder auch Junggesellenabschiede genießen, Obdachlosen als Schutzraum vor der Ansteckung mit dem Corona-Virus.